Die SIA-Phasen im Überblick
Die Norm SIA 102 gliedert ein Bauprojekt in sechs Phasen – von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb der fertigen Liegenschaft. Für Bauherren lohnt sich ein Überblick über das ganze Modell: Er zeigt, wann welche Entscheidungen anstehen, wie genau die Kosten in welcher Phase geschätzt werden können und wie sich das Architektenhonorar über den Projektverlauf verteilt.

Phase 1: Strategische Planung
Am Anfang steht die Klärung der grundlegenden Fragen: Was soll entstehen, welche Bedürfnisse bestehen, welches Budget steht zur Verfügung und welche Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen? Gemeinsam mit der Bauherrschaft werden die Ziele definiert und die wichtigsten Grundlagen zusammengetragen. Daraus entsteht eine erste Strategie für das weitere Vorgehen.
Phase 2: Vorstudien
In den Vorstudien werden die Möglichkeiten eines Projekts untersucht. Erste Skizzen und Varianten zeigen, was auf einem Grundstück oder in einem bestehenden Gebäude grundsätzlich möglich ist. Dabei werden baurechtliche, räumliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen geprüft und erste Kostenüberlegungen angestellt.
Häufig entsteht in dieser Phase eine Machbarkeitsstudie, mit der verschiedene Varianten verglichen und das Potenzial eines Grundstücks oder Gebäudes aufgezeigt werden. Am Ende steht eine fundierte Grundlage für die Entscheidung, ob und in welcher Form das Projekt weiterverfolgt wird.
Phase 3: Projektierung
In der Projektierung wird aus der ersten Idee ein konkretes Bauprojekt. Ziel ist es, das Projekt so weit zu entwickeln, dass vollständige und bewilligungsfähige Pläne für die Baueingabe erstellt werden können.
Im Vorprojekt werden Architektur, Grundrisse, Volumen, Erschliessung, Materialisierung und die wesentlichen konstruktiven Lösungen entwickelt. Gleichzeitig werden die Kosten laufend überprüft und das Projekt gemeinsam mit der Bauherrschaft optimiert.
Im anschliessenden Bauprojekt wird die Planung weiter vertieft und mit den notwendigen Fachplanern koordiniert. Daraus entstehen die Bewilligungspläne und weiteren Unterlagen für das Baugesuch. Das Baugesuch wird bei den zuständigen Behörden eingereicht und während des Bewilligungsverfahrens begleitet.
Am Ende dieser Phase steht im Idealfall eine rechtskräftige Baubewilligung für ein klar definiertes und kostenmässig überprüftes Projekt.
Phase 4: Ausschreibung
Nach der Projektierung wird festgelegt, wer das Projekt zu welchen Kosten ausführt. Dafür werden die geplanten Arbeiten detailliert beschrieben und Ausschreibungsunterlagen für die verschiedenen Gewerke erstellt.
Geeignete Unternehmer werden zur Offertstellung eingeladen, die Angebote anschliessend geprüft und miteinander verglichen. Neben dem Preis spielen dabei auch Qualität, Referenzen, Termine und die Vollständigkeit der Angebote eine Rolle. Nach den Vergabegesprächen werden die Unternehmer ausgewählt und die entsprechenden Werkverträge vorbereitet.
Damit entsteht eine verlässliche Grundlage für Kosten, Termine und die anschliessende Ausführung.
Phase 5: Realisierung
In der Realisierungsphase wird aus den Plänen das tatsächliche Gebäude. Zunächst werden die Bewilligungs- und Projektpläne zu detaillierten Ausführungsplänen weiterentwickelt. Konstruktionen, Anschlüsse, Materialien und technische Lösungen werden so geplant, dass die Unternehmer danach bauen können.
Während der Bauausführung übernimmt die Bauleitung die Koordination der verschiedenen Unternehmer, kontrolliert Qualität, Termine und Kosten und klärt die laufend auftretenden Fragen auf der Baustelle.
Nach Fertigstellung folgen Abnahmen, Inbetriebnahme und die Kontrolle und Behebung allfälliger Mängel. Am Ende steht die Übergabe des fertigen Gebäudes an die Bauherrschaft.
Phase 6: Bewirtschaftung
Mit der Fertigstellung beginnt die Nutzung des Gebäudes. In der Bewirtschaftungsphase stehen der langfristige Betrieb und der Werterhalt der Liegenschaft im Mittelpunkt.
Dazu gehören je nach Gebäude Fragen zu Unterhalt, Reparaturen, Instandsetzungen oder späteren Anpassungen und Umbauten. Auch nach Abschluss eines Projekts können die während der Planung erarbeiteten Unterlagen deshalb eine wichtige Grundlage für den zukünftigen Umgang mit dem Gebäude bilden.
Das Gesamtbild
Ein Bauprojekt entwickelt sich Schritt für Schritt: von der ersten Idee über Varianten und Projektierung zur Baubewilligung, von der Ausschreibung zur Ausführung und schliesslich zum fertigen Gebäude.
Dabei baut jede Phase auf den Entscheidungen der vorhergehenden auf. Gerade die frühen Planungsphasen sind entscheidend, weil hier wesentliche Weichen für Architektur, Kosten, Termine und Qualität gestellt werden. Eine sorgfältige Planung schafft deshalb die Grundlage dafür, dass das Projekt später möglichst kontrolliert und effizient umgesetzt werden kann.
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Quellen: